Pflege braucht genug Personal!

Kolleginnen im Gespräch mit MdB Mechthild Rawert am 7.11.

Kolleginnen im Gespräch mit MdB Mechthild Rawert am 7.11.

Das neue Gesetz PsychVVG (Gesetz zur Weiterentwicklung der Versorgung und der Vergütung für psychiatrische und psychosomatische Leistungen), das im November im Bundestag verabschiedet wird und am 1.Januar 2017 in Kraft treten soll, zeigt noch wesentliche Mängel auf. Ver.di möchte den Wettbewerbsaspekt und das Preissystem zurückdrängen.

Die zentralen Forderungen zum PsychVVG sind:

Sicherstellung der Personalbemessung

Personalausstattung refinanzieren

Dokumentationsaufwand auf das Notwendige verringern

Gute Qualität für das Hometreatment

Kolleg*innen aus der Psychiatrie sammelten bundesweit, so auch im Vivantes Wenckebachklinikum (WBK) Unterschriften für ihre Anliegen zu diesem Gesetz und schickten sie an die Bundestagsabgeordnete Mechthild Rawert, SPD, die ihr Büro in unmittelbarer Nähe des WBK hat.

Die ver.di Betriebsgruppe lud Frau Rawert zu Ihrer Sitzung ins Klinikum ein, um mit ihr vor der 2. Lesung die ver.di –Forderungen zu diskutieren. Unterstützt wurden die Kolleg*innen von Gisela Neunhöffer, die als Gewerkschaftssekretärin für die Servicebetriebe und psychiatrische Einrichtungen bei ver.di bundesweit zuständig ist.

Die Kolleg*innen wiesen insbesondere auf die drastischen Folgen eines gesetzlich ungeregelten Personalmangels hin, bei der eine reine Verwahrung der psychisch kranken Patient*innen drohe. Leasingkräfte bemühten sich sehr, seien jedoch oft ohne fachliche Ausbildung, es entstünden häufig gefährliche Situationen, denen sie nicht gewachsen seien und so blieben die vertrauten Fachkräfte eben doch die Ansprechpartner für die Patient*innen. Die unerträgliche Belastung des Stammpersonals kennzeichnete eine Kollegin anhand ihrer Erfahrungen so: „….Letztendlich produzieren wir durch den Personal- und Fachkräftemangel unsere Patienten selbst!“

Mechthild Rawert war an der Diskussion sehr interessiert und informierte die KollegInnen über die Abläufe bei der Verabschiedung eines Gesetzes.

Zur Sprache kamen auch die Gehaltsunterschiede bei Vivantes zwischen den tariflos ausgegliederten Therapeut*innen im Vergleich zu den altbeschäftigten Therapeut*innen, die nach TVöD bezahlt werden, also ungleicher Lohn für gleiche Arbeit. Und das ist möglich, obwohl e i n Betriebsrat für beide Kollegengruppen (Mutterangestellte und Tochterangestellte) in diesem Betrieb zuständig ist!? Dieser Fakt löste bei Frau Rawert besonders großes Interesse aus. Gisela Neunhöffer fügte hinzu, dass auch auf Bundesebene eine Initiative für die Rückführung der Tochtergesellschaften in den Mutterbetrieb der Krankenhäuser dringend vonnöten ist, um der Tarifflucht Einhalt zu gebieten.

Frau Rawert versprach, die neugewonnenen Informationen auf Bundestagsebene weiterzugeben. Die Fachkräfte vor Ort bleiben jedoch skeptisch, ob auf weitere gewerkschaftliche Kampfmaßnahmen für mehr Personal nach Inkrafttreten des Gesetzes verzichtet werden kann.