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Hohe Streikbeteiligung am 23.02.2017 bei der AWO in Südbrandenburg

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Hohe Streikbeteiligung am 23.02.2017 bei der AWO in Südbrandenburg

AWO Tarifgemeinschaft Brandenburg

 
Am 23.02.2017 beteiligten sich die Beschäftigten von 11 AWO-Kitas/Horte und von 3 AWO- Einrichtungen des betreuten Wohnens an einem Warnstreik. In Königs Wusterhausen, Lübbenau, Cottbus, Altdöbern und Großräschen sind die Kita-Beschäftigten ab 6 Uhr ganztags in den Warnstreik gegangen. In Senftenberg ging der Warnstreik um 12 Uhr los. Die 11 Kita-Einrichtungen waren ab 6 Uhr bzw. ab 12 Uhr streikbedingt ganztags geschlossen. Ein Notdienst wurde von ver.di nicht eingerichtet. Die Eltern wurden am 21.02.2017 mit ver.di-Elternbriefe über den bevorstehenden Streik in der Kita informierte.

Die Beschäftigten in den 3 AWO-Einrichtungen des betreuten Wohnens hatten sich in der Zeit von 8 Uhr bis 12 Uhr (mit einem Notdienst) an dem Streik beteiligt. In Königs Wusterhausen beteiligten sich rund 80 streikende Beschäftigte an einer Demonstration durch die Innenstadt.

Mit der Teilnahme am Warnstreik unterstützen die Beschäftigten die Forderung der ver.di-Tarifkommission (Kompromissangebot) nach einem Entgelttarifvertrag ab dem 01.01.2017 für alle Beschäftigten der AWO-Tarifgemeinschaft  mit einem Entgeltniveau von 91% zum 01.01.2017 mit der Steigerung auf 92% zum 01.09.2017.

Die Presseberichte über den Warnstreik und alle weiteren Informationen sind unter folgender Internetseite abrufbar: www.cottbus.verdi.de/themen/tarifverhandlungen-awo-tarifgemeinschaft-brandenburg

Bei den Verhandlungen am 10. Februar 2017 wurde von den AWO-Arbeitgebern ein neues Entgeltangebot nur für den Bereich Kita und Kinder – und Jugendhilfe (dabei nur für Erzieher/innen, Heilpädagogen, Sozialarbeiter) für die  Zeit ab dem 1. Juli 2018 unterbreitet. Es wurde dabei ein Angebot für den AWO-Regionalverband Brandenburg Süd und ein Angebot für die anderen AWO-Verbände der Tarifgemeinschaft unterbreitet. Das Angebot für die AWO- Verbände der Tarifgemeinschaft  ist dabei um 11% bis 13% im ersten und zweiten Beschäftigungsjahr und immer   noch um 7% bei einer 17jährigen Beschäftigungszeit niedriger als die für  den AWO-Regionalverband Brandenburg  Süd  angebotene Entgelttabelle.

Für die Beschäftigten in der ambul., teilstationären und stat. Pflege wurde für die Zeit ab 1. Januar 2017 eine monatliche „Gerontologiezulage“ in Höhe von 60 EUR brutto (bei Teilzeit anteilig) angeboten. Im Gegenzug sollen die bisher tariflich geregelte Geriatriezulage in Höhe von 46,02 EUR (bei Teilzeit anteilig) bei den Pflegefachkräften in der stat. Pflege und die 30 EUR-Pflegezulage in der ambulanten Pflege entfallen.

Für alle anderen Beschäftigten wurde von der AWO am 10.02.2017 kein Entgeltangebot  unterbreitet!

Die ver.di-Tarifkommission hatte in seiner Sitzung am 14. Februar 2017 das neue Entgeltangebot als unvollständig und völlig unzureichend  abgelehnt.

Beispiele über die Entgeltdifferenzen zum Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD)
(Entgelt bei Vollzeitbeschäftigung und auf volle EUR gerundete Beträge):

Eine verheiratete Erzieherin, die 17 Jahre und länger bei der AWO beschäftigt ist, erhält nach dem gekündigten Entgelttarifvertrag monatlich 2547 EUR. Dies sind nur 71% des TVöD. Diese Erzieherin erhält somit 1045 EUR monatlich weniger Entgelt, als eine vergleichbare Erzieherin einer kommunalen Kita.

Es gibt eine Vielzahl freier Träger von Kindertagesstätten in Brandenburg, die den Kita-Beschäftigten das Entgelt nach dem TVöD zahlen. So zum Beispiel das Humanistische Jugendwerk in Cottbus, die Kita an der Jenaplanschule in Lübbenau und die AWO-Kitas in Potsdam.

Das monatliche Tabellenentgelt einer verheirateten Heilerziehungspflegerin beträgt bei einer Eingruppierung in Vergütungsgruppe VI nach einer 14jährigen Beschäftigungszeit 2190 EUR. Dies sind bei einer 17 jährigen Beschäftigungszeit und länger nur noch 61% des TVöD. Der Abstand zum TVöD beträgt dann 1400 EUR monatlich.

Die Heilerziehungspfleger/innen beim DRK in Cottbus in der Wohnstätte für geistig behinderte Erwachsene erhalten nach dem ver.di-Tarifvertrag mit dem DRK-Kreisverband ab einer 12jährigen Beschäftigungszeit 2695 EUR. Dies sind mindestens 450 EUR monatlich mehr Entgelt als bei der AWO. Die Entgelte beim DRK Cottbus steigen zum 1. Mai 2017 um weitere  3%.

Das monatliche Tabellenentgelt einer verheirateten Pflegefachkraft in der Pflege beträgt nach 14jähriger Beschäftigungszeit und länger incl. der 60 EUR Gerontologiezulage (nur in Südbrandenburg) mindestens 2428 EUR. Ab einer 15jährigen Beschäftigungszeit und länger sind dies nur noch 74% des TVöD. Der Abstand zum TVöD beträgt ab einer 15jährigen Beschäftigungszeit 878 EUR  monatlich.

Das monatliche Tabellenentgelt einer verheirateten Pflegehelferin in der stationären Pflege beträgt nach 14jähriger Beschäftigungszeit und länger incl. der 60 EUR Gerontologiezulage (nur in Südbrandenburg) monatlich 2111 EUR.  Dies sind bei einer 15jährigen Beschäftigungszeit und länger nur noch 77% des TVöD. Der Abstand zum TVöD beträgt dann 635 EUR monatlich.

Eine verheiratete Gruppenleiterin mit sonderpädagogischer Zusatzausbildung (SPZ) in der Werkstatt für  Menschen mit Behinderung erhält nach 14jähriger Beschäftigungszeit in der Vergütungsgruppe monatlich 2190 EUR. Dies sind bei einer 14jährigen Beschäftigungszeit 67% des TVöD. Bei einer 17jährigen Beschäftigungszeit und länger sind    es nur noch 63% des TVöD. Der Abstand zum TVöD beträgt dann 1290 EUR monatlich.

Die Beschäftigten der Lebenshilfewerkstatt „Hand in Hand“ in Cottbus erhalten bei den gleichen Finanzierungsvoraussetzungen das Entgelt nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD)!

Nur die Beschäftigten, die schon im Dezember 2014 beschäftigt und verheiratet waren, erhalten den „Verheirate- tenzuschlag“ als Besitzstand. War der Beschäftigte im Dezember 2014 nicht verheiratet oder wurden erst nach dem 31.12.2014 eingestellt, so erhält dieser Beschäftigte monatlich 93 EUR (bei Teilzeit anteilig) weniger Entgelt. Beschäftigten, die schon im Dezember 2014 beschäftigt waren und deren Kind/er spätestens bis zum 30.09.2015 geboren waren, erhalten für jedes unterhaltspflichtige Kind eine „Kinderzulage“ in Höhe von monatlich 83 EUR (bei Teilzeit anteilig), so lange Anspruch auf Bundeskindergeld für das Kind  besteht.

Besonderheit für die Beschäftigten beim  AWO  Regionalverband  Brandenburg  Süd  e.V.:  Nach  dem  gekündig-  ten Entgelttarifvertrag mit dem AWO RV Brandenburg Süd erhalten die Beschäftigten (nur Angestellte) immer das Entgelt der jeweiligen Endstufe der Entgeltgruppe. Somit erhalten auch neu eingestellte Erzieher/innen, Heilerziehungspfleger/innen, Pflegefach- und Pflegekräfte in Südbrandenburg das Entgelt, was sonst erst nach 14 Jahren Beschäftigungszeit oder später in der jeweiligen Entgeltgruppe gezahlt wird. Mit der ver.di-Tarifforderung (Tabellenstruktur und Eingruppierung wie im TVöD mit 91% Entgeltniveau) wird diese Regelung aber bewusst  aufgegeben.

Die Tarifverhandlungen werden am 03.03.2017 fortgesetzt.