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Gemeinsam für mehr Einkommensgerechtigkeit in der Sozialen Arbeit!

Wohlfahrt

Gemeinsam für mehr Einkommensgerechtigkeit in der Sozialen Arbeit!

Resolution der AWO und ver.di

 
Aktuell laufen die Entgelt-Tarifverhandlungen zwischen der Arbeiterwohlfahrt in Berlin und der Gewerkschaft ver.di. Als Sozialpartner ist uns bewusst, dass wir – nicht die Politik – für den Abschluss guter Tarifverträge verantwortlich sind. Dennoch gibt es politisch gesetzte Rahmenbedingungen, die allein durch gute Tarifverhandlungen bzw. Tarifverträge nicht beeinflussbar sind. Deshalb wenden wir uns mit dieser Resolution
an Sie!

Die AWO erfüllt – übrigens schon seit 1930 in tarifvertraglichen Strukturen – als gemeinnützige Trägerin der Freien Wohlfahrtspflege und Anbieterin sozialer Dienstleistungen der Daseinsvorsorge wichtige staatliche Aufgaben Berlins. Dafür steht ihr die Refinanzierung durch das Land in Form von Zuwendungen und Entgelten zu.

Aus diesem Grund wenden wir uns als Tarifpartner gemeinschaftlich auch an Sie als Vertreter/in der Politik in Berlin:

Wir erwarten vom Land Berlin, dass Soziale Arbeit als gesetzlich geregelte staatliche Aufgabe auch auskömmlich finanziert wird!

Frühkindliche Bildung in Kitas; Beratung von Familien; Förderung von jungen Menschen in Jugendzentren, im Beruf oder durch Hilfen zur Erziehung; Unterstützung von zugewanderten und geflüchteten Menschen in Beratungsstellen, Unterkünften oder Bildungsmaßnahmen sowie die Unterstützung von behinderten, wohnungslosen oder überschuldeten Menschen – das sind nur einige Arbeitsfelder der Berliner AWO.

Obwohl die LIGA der Freien Wohlfahrtspflege für 2016 mindestens 5% als unabdingbaren Zuwachs gefordert hatte, wurde lediglich eine Steigerung von 2% für den Bereich der Zuwendungen gewährt. Im Entgeltbereich blieben die beiden Senatsverwaltungen für Gesundheit und Soziales bzw. für Finanzen mit 2,14 % bei der pauschalen Vergütungssteigerung ebenfalls weit unter den Forderungen der Leistungserbringer. Dies führt dazu, dass die AWO in Berlin ihren Beschäftigten für die gleiche, qualitativ hochwertige soziale Arbeit nicht die gleichen Gehälter bezahlen kann, wie das Land seinen eigenen Beschäftigten.

Keine Frage, wir akzeptieren das Besserstellungsverbot. Allerdings darf es nicht so sein, dass dieses Besserstellungsverbot in Verbindung mit unzureichender Finanzierung faktisch wie ein „Schlechterstellungsgebot“ wirkt. Bei gleicher Arbeit dürfen Beschäftigte in der Wohlfahrtspflege nicht schlechter gestellt sein als ihre Kolleginnen und Kollegen im Öffentlichen Dienst. Bei der AWO besteht schon seit langem ein großer Nachholbedarf – die Gehälter liegen in Spitzen teilweise mehrere Hundert Euro unter dem Tarifniveau des TV-L Berlin. Entstanden ist diese Differenz nach dem Ausstieg Berlins aus der Tarifgemeinschaft der Länder im Jahr 2003 und konnte seither nicht wieder aufgeholt werden. Diesen Zustand müssen wir beenden und in einem überschaubaren Zeitraum die Angleichung erreichen. Dies geht aber nur, wenn die Träger dazu auch wirtschaftlich in die Lage versetzt werden. Gemeinsam fordern ver.di und AWO – auch von Ihnen als gewählter Vertreterin/ gewähltem Vertreter des Abgeordnetenhauses, sich dafür einzusetzen, dass es spätestens mit der nächsten Legislaturperiode in der Sozialen Arbeit im Bereich der Zuwendungen und Entgelte endlich zu entscheidenden Verbesserungen kommt.

Für die Zuwendungen

  • die steigenden Sach- und Personalkosten realistisch abzubilden. Das bedeutet zum Beispiel die vollständige Refinanzierung von Tarifsteigerungen und die Berücksichtigung steigender Miet- und sonstiger Sachkosten.

und für die Entgelte

  • die pauschalen Vergütungen - in den "Berliner Rahmenverträgen" (SGB-XII-Leistungen wie z.B. Behindertenhilfe, Altenhilfe, Wohnungslosenhilfe sowie SGB-VIII-Leistungen wie stationäre und ambulante Hilfen zur Erziehung) mit realistischen Steigerungsbeträgen bezogen auf die Personal-, Sach- und Investitionskosten zu versehen.

  • den Wegfall des Eigenanteils mindestens der tarifgebundenen Träger bei der Finanzierung von Kindertagesstätten. Derzeit müssen die Träger 7% der ermittelten Durchschnittskosten für einen Kitaplatz selbst aufbringen. Das Land Berlin muss aber den Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz garantieren, nicht der Träger.

Mit unserer Resolution wenden wir uns an alle Parteien, vornehmlich jedoch an die SPD und die CDU als Regierungsparteien, die gegenwärtig ihre Wahlprogramme für die nächste Legislaturperiode diskutieren. Wir erwarten keine Wahlgeschenke, sondern die realistische Perspektive, endlich wieder faire Arbeitsbedingungen in der freien Wohlfahrtspflege zu schaffen. Bitte setzen Sie sich dafür ein!

Gerade in der aktuellen Situation braucht Berlin starke, selbstbewusste und vor allem geradlinige Partner in der Sozialen Arbeit – nicht zuletzt die Integration geflüchteter und zugewanderter Menschen sowie die gesellschaftliche Teilhabe aller Berlinerinnen und Berliner verlangt das.

Wir freuen uns über ein Gesprächsangebot und verbleiben mit freundlichen Grüßen

AWO Geschäftsführungen

Barbara König
AWO LV Berlin e.V.

Jens H. Ahrens
AWO KV Südost e.V.

Holger Langkau
AWO KV Spree-Wuhle e.V.

Angelika Rix und Snezana Prvulovic-Hummel
AWO KV Mitte e.V.

Martina Spitzl
AWO KV Spandau e.V.

Marion Schmidt
AWO pro:mensch gGmbH

ver.di Landesbezirk Berlin-Brandenburg


Susanne Stumpenhusen
Landesbezirksleiterin

Meike Jäger
Fachbereichsleiterin
Fachbereich Gesundheit, Soziales, Wohlfahrt und Kirchen

Josephine Merkl
Gewerkschaftssekretärin
Fachbereich Gesundheit, Soziales, Wohlfahrt und Kirchen