Sozial- und Erziehungsdienst

Erzieher_innen und Eltern nicht alleine lassen

Kitas Berlin-Brandenburg

Erzieher_innen und Eltern nicht alleine lassen

Landesregierungen müssen Verantwortung übernehmen und entscheiden
Kindergarten Esi Grünhagen Erzieher_innen und Eltern nicht alleine lassen


ver.di befürchtet nach den gestrigen Corona-Entscheidungen volle Kitas mit hohem Gesundheitsrisiko für das betreuende Personal. Dabei haben Erzieher_innen nach einer neuen AOK-Studie das höchste Risiko, an COVID-19 zu erkranken. Daher müssen die Landesregierungen in Berlin und Brandenburg festlegen, welche Berufsgruppen ihre Kinder in die Einrichtungen bringen dürfen – und welche nicht.

ver.di Berlin-Brandenburg fordert die Landesregierungen Berlin und Brandenburg auf, endlich Verantwortung für die Kindertageseinrichtungen und die Kindertagespflege zu übernehmen und konkrete Kita-Regelungen zu erlassen. „Nach dem gestrigen Treffen von Bund und Ländern wird es Erzieher_innen, Kitaleitungen und Eltern überlassen, zu entscheiden, wer die Kita besuchen darf und wer nicht. Die Politik taucht ab. Das geht so nicht“, sagt Andrea Kühnemann, stellvertretende Landesbezirksleiterin von ver.di Berlin-Brandenburg. „Denn es verursacht große Konflikte zwischen den Eltern und dem pädagogischen Personal und birgt ein hohes Gesundheitsrisiko für das Personal in den Einrichtungen. Die Politik muss wie im ersten Lockdown festlegen, welche Berufsgruppen systemrelevant sind und welche nicht. Dann ist klar, wer seine Kinder in die Kita bringen darf und wer nicht. Bei der jetzigen Regelung befürchten wir, dass die Kitas in Berlin und Brandenburg sehr voll werden.“

Eine jüngst veröffentlichte AOK-Studie hat festgestellt, das keine andere Berufsgruppe zwischen März und Oktober so häufig wegen einer Covid-19 Erkrankung krankgeschrieben war wie die Erzieher_innen. „Wir betrachten diese Studie mit großer Sorge für die Gesundheit unserer Kolleginnen und Kollegen, die sich jeden Tag um die Kinder kümmern“, sagt Josephine Roscher, die für die Kindertageseinrichtungen im öffentlichen Dienst zuständige Gewerkschaftssekretärin bei ver.di Berlin-Brandenburg.

Bislang gibt es in Berlin und Brandenburg wie in den meisten anderen Bundesländern lediglich den Appell an die Eltern, ihre Kinder nicht in die Kitas zu schicken und zuhause zu betreuen. Den Eltern steht dadurch aber keine Lohnersatzleistung nach dem Infektionsschutzgesetz zu. Die vereinbarten zusätzlichen zehn Tage Kinderkrankengeld reichen aber nicht aus, damit die Eltern ihre Kinder zuhause betreuen können.

„Wir erwarten daher volle Kitas mit einem extremen Gesundheitsrisiko für die betreuenden Kolleginnen und Kollegen“, sagt Andrea Kühnemann. „Deshalb fordern wir, dass die Entscheidung darüber, welches Kind die Einrichtung besuchen darf, die Landesregierungen festlegen. Wenn eine Kita-Beschäftigte in Quarantäne geschickt werden muss und sie gleichzeitig Urlaub hat, so darf dieser nicht angerechnet werden. Auch dafür brauchen wir klare Regelungen.“