Krankenhäuser

Digitale Übergabe der Unterschriftenpetition an Abgeordnete

Digitale Übergabe der Unterschriftenpetition an Abgeordnete

Videokonferenz mit über 300 Beschäftigten

Wir sind immer noch ganz geflasht von dem Freitagnachmittag. Die Einschränkungen durch Corona, aber auch die Bedingungen in den Krankenhäusern machen eine Organisierung möglich, die wir uns bisher gar nicht vorstellen konnten. Und es zeigt, dass die Beschäftigten in dieser Krise gehört werden wollen! Am Freitag, 17.4. um 15:30 fand die Videokonferenz der Beschäftigten von Vivantes und Charité mit der Berliner Politik statt, wo die Petition „Zum Schutz der Beschäftigten“ mit den 5428 Unterschriften der Beschäftigten überreicht wurde. Ursprünglich hatten wir Frau Senatorin Kalayci und den regierenden Bürgermeister Michael Müller, an die auch unser offener Brief gerichtet war, eingeladen. Da keine Reaktion kam, haben wir eine Einladung an die Berliner Abgeordneten (außer AFD) geschickt.  20 Abgeordnete haben teilgenommen, darunter die gesundheitspolitischen Sprecher*innen von SPD, Linken, Grünen, der Fraktionschef der CDU. Und – das ist noch viel wichtiger – es haben sich über 300 Zuschauer*innen eingewählt. Der virtuelle Raum schafft Möglichkeiten, die wir uns im wirklichen Leben nicht erträumen können. Eine Versammlung mit 300 Beschäftigten und einem Podium von 20 Politiker*innen? Digital war das machbar. Das ermöglichte auch Kolleg*innen die Teilnahme, die ihre Kinder betreuen müssen, denen der Anfahrtsweg zu weit wäre, die in Quarantäne zu Hause sind und sogar denen, die im Dienst sind. Es waren mehr als 300 im virtuellen Saal, weil ganze Stationen und Bereiche dazugeschaltet waren. Es waren Kolleg*innen aus allen Kliniken von Vivantes und allen Campi der Charité, viele Kolleg*innen aus den Töchtern und Unterstützer*innen dabei. Auch aus dem Bundesgebiet hatten sich interessierte Krankenhausbeschäftigte zugeschaltet.

Fünf Kolleg*innen haben stellvertretend für alle gesprochen:

Dana Lützkendorf, Krankenpflegekraft auf einer der Covidintensivstation der Charité. Landesbezirksfachbereichsvorsitzende von ver.di und aktiv in der Betriebsgruppe der Charité.

Dana berichtete über die Situation auf ihrer Station. Seit Jahren schon machen sie auf die schlechten Arbeitsbedingungen aufmerksam und kämpfen für eine gesetzliche Personalbemessung. Durch die Coronakrise werden die Bedingungen noch verschärft – insbesondere durch den Mangel an Schutzausrüstung. (siehe Redebeitrag unten)

Benny Dankert, Gesundheits- und Krankenpfleger auf einer infektiologischen Station bei Vivantes machte in seinem Beitrag folgende Forderungen deutlich:

„Nur durch das herabsetzen der Hygienestandards ist es möglich mit dem wenigen Material überhaupt noch Haushalten zu können.
Um eine Infektionswelle beim Personal im Gesundheits- und Pflegewesen zu vermeiden ist eine ausreichende Ausstattung jedoch notwendig.
Das Land Berlin muss seiner Fürsorgepflicht nachkommen, und ausreichend Schutzausrüstung für seine Beschäftigten bereitstellen.“

Anja Voigt, Intensivpflegekraft bei Vivantes, aktiv im Berliner Bündnis für mehr Personal im Krankenhaus, Initiatorin des Volksentscheides für gesunde Krankenhäuser ging auf die Forderung nach einem Belastungszuschlag ein. (Siehe Redebeitrag unten)

Daniel Turek, CFM (Charité Facility Management), Versorgungsassistent und Betriebsrat, als Vertreter für alle Tochtergesellschaften und lange aktiv im Kampf für deren Rückführung in den TVöD hat die Forderung nach sofortiger Rückführung aller Töchter und damit die Überführung von ALLEN Beschäftigten in den TVöD jetzt deutlich gemacht. (Siehe Redebeitrag unten)

David Wetzel, Gesundheits- und Krankenpfleger an der Charité, aktiv in der ver.di Betriebsgruppe der Charité hat mit folgendem Beitrag die Unterschriftenpetition übergeben:

„Ich arbeite auf einer onkologischen Station der Charité und bin momentan mit diesem Szenario konfrontiert: Wir sollen pro Schicht nur einen Mundschutz tragen. Wie soll ich denn so elf immunsupprimierte Patient*innen schützen, wie soll ich denn so mich schützen und die Gesundheit meiner Familie schützen? Das ist vollkommen konträr zu den Hygienerichtlinien und komplett verantwortungslos! Ich glaube, das ist ein ganz gutes Bild davon, wo wir im Moment stehen, wenn wir von der Krankenversorgung in Berlin sprechen und aufzeigen wollen um was es hier geht, was die Tragweite ist.

Wir stehen für die 30.000 Beschäftigten von Vivantes und Charité, wir sind das Herz der Gesundheitsversorgung in Berlin. Alles was jetzt passiert und passieren muss hat einen unmittelbaren Effekt auf die Patient*innen - ganz gleich welches Krankheitsbild.

Die bestehenden Engpässe, Personal und Material betreffend dürfen nicht auf unserem Rücken ausgetragen werden - wir sehen hier alle Abgeordneten in der Pflicht! In der Pflicht etwas zu tun und zwar jetzt! Die Gesundheit der Berliner Bevölkerung steht auf dem Spiel und das muss ihnen nicht nur klar sein, sondern das muss die Politik gemeinschaftlich mit uns handeln lassen. Wir fordern nachhaltige Veränderungen und das jetzt!

Normalerweise würden wir bei Ihnen im Rathaus stehen und Ihnen diese Petition überreichen. Weil das momentan nicht geht, geschieht es jetzt auf diesem digitalen Weg. Die Forderungen und die Bedingungen aus denen sie entstanden sind, sind jetzt klar und nachvollziehbar und trotzdem hierzu nochmals kurz: 4.500 Beschäftigte aus allen Berufsgruppen – Pflege, Ärzt*innen, Therapeut*innen, wie aus der Küche, dem Krankentransport, dem Labor, der Reinigung, der Logistik und viele mehr haben diese Forderungen unterschrieben.

Über 4.500 Unterschriften, die in den widrigen Umständen einer Pandemie gesammelt wurden. Im Zeitraum von nur einer Woche.

Mit dieser Petition treten wir für unsere Patient*innen ein, aber auch ganz klar und entschieden für uns und es muss Ihnen bewusst sein, dass wir alles, alles dafür tun werden, das jetzt in unserem Interesse gehandelt wird. Wir werden weiter laut, Viele und unnachgiebig sein.

Mit dieser Videokonferenz wollen wir Ihnen aber auch die Chance geben mit uns in den Austausch zu treten, jetzt gemeinsam eine Initiative zu starten und ganz konkret und sehr genau Verabredungen zu treffen, um wirklich das auf den Weg zu bringen was notwendig ist, um die Versorgung aufrecht zu erhalten. Was halten Sie davon?"

Die Forderungen sind deutlich:

  • Es braucht ausreichend Schutzmaterial.
  • Die Ausgliederung und damit die unterschiedliche Bezahlung muss endlich ein Ende haben.
  • Die Arbeitsbedingungen müssen sich nachhaltig verbessern.
  • Die Krankenhausversorgung muss sich am Bedarf und nicht am Profit orientieren.
  • Der Belastungszuschlag muss für alle – nicht nur für die Krankenhausbeschäftigten – gezahlt werden und darf nicht aus den Budgets der Krankenhäuser kommen.

In den Beiträgen, auch aus dem Publikum, wurde betont, dass es zu nachhaltigen Veränderungen kommen muss. Es sind alle froh, dass es nicht zu Zuständen, wie in anderen Ländern gekommen ist. Aber es muss jetzt auch zu Veränderungen in der Politik kommen, damit sich die Zustände in den Krankenhäusern und im Gesundheitssystem im Allgemeinen ändern. Wir als Beschäftigte müssen die Aufmerksamkeit, die wir jetzt (noch) haben, nutzen. Das ist die größte Angst, die ausgedrückt wurde: Es darf nicht mehr so werden, wie es vorher war. Es muss endlich auf uns gehört werden.

Die Antworten der Politiker*innen? Es wurde uns Unterstützung zugesichert, vor allem beim Thema TVöD für die Tochterbeschäftigten soll nachgehakt werden.

Wie geht es weiter?

Wir hören jetzt nicht auf. Ein Vorschlag ist, eine Vereinbarung zwischen ver.di, uns Beschäftigten und der Politik vorzulegen. In diesem „Corona Gesundheits-Pakt“ sollen konkrete Verbesserungen vereinbart werden.

Diesen Vorschlag und wie es konkret weitergeht, werden wir bei der nächsten Videokonferenz am Mittwoch, 22.4. um 18 Uhr diskutieren.

Daten zur Teilnahme und auch den Link zum Whatsapp Info Kanal erhaltet ihr bei:

Janine Balder: janine.balder@verdi.de

Silvia Habekost: silvia.habekost@berlin.de

Dana Lützkendorf: dluetzkendorf@gmail.com