Vivantes

Charité und Vivantes streiken gemeinsam!!

Charité und Vivantes

Charité und Vivantes streiken gemeinsam!!

War das ein toller Streiktag bei Vivantes am 29. September! Mehr als 200 Streikende trafen sich morgens ab 6 Uhr an fünf Standorten in den ver.di-Streiklokalen - vor dem KAU, KFH, AVK, KNK und vor der Zentrale (Koll. der Aroser Allee, des HUK und KSP). In quasi letzter Minute hatten die Geschäftsführung und ver.di am 28. September doch noch eine Notdienstvereinbarung (NDV) abgeschlossen. Diese Vereinbarung stellt einen Kompromiss zwischen zwei sehr unterschiedlichen Standpunkten dar. Mit dem vorgelegten Entwurf der Geschäftsführung zur „Sicherstellung der medizinisch notwendigen Patientenversorgung zur Abwendung von lebensbedrohenden Zuständen und zur Verhinderung weiterer Verschlechterung des Krankheitsbildes...“ wäre ein Streik unmöglich gewesen – das sind die Bedingungen, zu denen wir eigentlich jeden Tag arbeiten. Der Entwurf von ver.di sah die Möglichkeit von Betten- und Stationsschließungen vor, unter der Voraussetzung, dass die Arbeitgeberseite das Elektiv-Programmund somit auch die Bettenbelegung auf den Stationen entsprechend runterfährt. Nach langem zähen Ringen ist eine Vereinbarung zustande gekommen, die grundsätzlich eine Wochenendbesetzung für Normalstationen vorsieht. Für Intensivstationen sowie für die Stationen, die schon im Vorfeld eine hohe Streikbereitschaft angezeigt hatten, wurde eine Nachtdienstbesetzung /IMC festgelegt. Die Intensivbereiche zur COVID-19 Versorgung sowie Pädiatrie, Psychiatrie/Krisenbereiche, Kreißsäle und das Labor Berlin wurden ausgenommen und auch die OP Bereiche wurden separat geregelt.

Einige haben uns später die Frage gestellt, ob es besser gewesen wäre, lieber gar keine als diese Notdienstvereinbarung abzuschließen? Wir meinen, durch die NDV wurde vielen Kolleg*innen die Teilnahme am Streik überhaupt erst ermöglicht. Allerdings wurde auch deutlich, dass die Streikbereitschaft sehr viel höher war und ist und es ohne stärkere Reduktion des Elektivprogramms und ohne Bettenschließung schlicht nicht möglich ist, das Streikrecht angemessen durchzusetzen. Wir werden deshalb noch einmal die Verhandlungen mit der Geschäftsführung über die NDV aufnehmen; die bestehende Vereinbarung lässt dieses „Nachverhandeln“ zu. Im Übrigen: Im Streik hat es sich gezeigt, dass viele Kolleg*innen nicht mehr bereit waren, dem Druck durch die Pflegedirektion nachzugeben. Im gleichen Maße, wie auf Gefährdungsanzeigen nicht reagiert wird, sinkt auch die Bereitschaft, während eines Streiks Notdienste zu leisten. Denn, nicht der Streik, sondern der Normalbetrieb gefährdet die Patient*innen!! So sieht die Realität aus.

Aber, nach dem Streik ist vor dem Streik: Die Liste der Stationen mit hoher Streikbereitschaft kann gerne länger werden… denn, es ist davon auszugehen, dass wir im Oktober erneut zu Arbeitskampfmaßnahmen werden aufrufen müssen.

Am 30. September hatten wir dann eine echte Premiere! Erstmalig streikten Vivantes und Charité am gleichen Tag – Seite an Seite. Wir haben uns um 9.00 Uhr am Neptunbrunnen vor dem Roten Rathaus gesammelt und dann eine fulminante Demonstration zum Brandenburger Tor hingelegt.

Dort wurden wir vom ver.di Bundesvorsitzenden, Frank Werneke, erwartet, der bei super Wetter eine Rede an die Streikenden hielt. Unsere zentrale Botschaft: Wir erwarten von der VKA eine BEWEGUNG in die richtige Richtung – Jetzt! 300€ Zulage für Beschäftigte mit Patientenkontakt, bezahlte Pause bei Wechselschicht, Anhebung des Samstagszuschlags auf 20% - das ist das Mindeste, was am GESUNDHEITSTISCH rüberkommen muss. Viel Jubel gab es auch bei der Forderung, dass die Arbeitszeit für West und Ost-Beschäftigte nicht mehr unterschiedlich sein darf. Auch wenn bei Vivantes und Charité schon lange für beide Seiten der Stadt die 39-Std.-Woche gilt – in Brandenburg sieht das noch ganz anders aus. Die Arbeitgeber bieten an, die AZ-Verkürzung um eine Std. erst in 2025 (!) umzusetzen. Das ist ein Schlag ins Gesicht aller Beschäftigten im Öffentlichen Dienst in den östlichen Bundesländern - und geht so gar nicht!
Am Nachmittag haben wir mit einer kleineren Delegation noch unsere politischen Forderungen bei
Gesundheitsminister Spahn und der Berliner Gesundheitssenatorin Kalayci bei der Gesundheitsministerkonferenz (GMK) vorgetragen. Wir erwarten von den Gesundheitspolitikern, dass das DRG-System abgeschafft, die neue PPR 2.0 eingeführt wird und auch bestehende Tochterunternehmen rückintegriert und unter das Dach des TVöD geholt werden. Bei Charité und Vivantes konnten wir dazu im letzten Jahr gemeinsam einen Erfolg einfahren: Die Therapeuten-Töchter sind wieder zurück!

Wir machen weiter! Klatschen war gestern... !!!