Vivantes

Vivantes-Angebote bei Weitem unzureichend

Charité und Vivantes

Vivantes-Angebote bei Weitem unzureichend

ver.di drängt im Tarifkonflikt um Entlastung an Berliner Kliniken auf schnelle Verhandlungslösung
ver.di-Aktion am 10.09.2021 ver.di Vivantes-Angebote bei Weitem unzureichend  –


Im Tarifkonflikt um Entlastung an den Berliner Kliniken von Vivantes und Charité hat die Gewerkschaft ver.di eine schnelle Verhandlungslösung angemahnt. »Nach drei Wochen Streik ist es höchste Zeit, zu Ergebnissen zu kommen, die den Beschäftigten wirksame Entlastung bringen und eine Beendigung des Arbeitskampfs ermöglichen«, erklärt Meike Jäger, die bei ver.di in Berlin und Brandenburg für das Gesundheitswesen zuständig ist. »Doch die Vivantes-Geschäftsführung scheint es weiterhin nicht eilig zu haben. Sie hat die Verhandlungen bis Montag unterbrochen und bislang keine Angebote vorgelegt, die auch nur annähernd einigungsfähig wären.« An der Charité werden die Verhandlungen heute fortgesetzt.

Bei Vivantes liegen die Tarifparteien vor allem in Bezug auf die Sollbesetzung auf den Stationen noch weit auseinander. »Die von der Arbeitgeberseite vorgeschlagene Personalbesetzung würde den Beschäftigten in etlichen Bereichen überhaupt nichts bringen. In einigen wären sie sogar eine Verschlechterung«, kritisiert Jäger. So wolle die Klinikleitung beispielsweise auf Normalstationen tagsüber eine Schichtbesetzung von einer Pflegekraft zu zehn Patient*innen festschreiben, nachts von eins zu 20, wobei Leitungstätigkeiten eingerechnet sind. »Das ist bei Weitem nicht ausreichend, um Arbeitsbedingungen zu schaffen, die nicht länger die Gesundheit der Beschäftigen gefährden«, betont die Gewerkschafterin. Offenbar wolle der Klinikkonzern lediglich die für einige Abteilungen geltenden Pflegepersonaluntergrenzen auf weitere Bereiche ausdehnen. Doch die vom Gesetzgeber beschlossenen Untergrenzen seien nicht bedarfsgerecht, sondern dienten nur dazu, eine unmittelbare Patientengefährdung auszuschließen. »Die Beschäftigten streiten mit ihrer Tarifbewegung nicht dafür, bloß die völlig unzureichenden gesetzlichen Vorgaben abzubilden. Sie brauchen wirkliche Entlastung.«

Deutlich nachbessern müsse Vivantes beim sogenannten Belastungsausgleich. Nach den Vorstellungen des kommunalen Klinikbetreibers müssten Pflegekräfte zehn Mal in unterbesetzten Schichten arbeiten, um als Ausgleich einen zusätzlichen freien Tag zu erhalten. Die Charité habe bereits angeboten, nach fünf Belastungsschichten einen freien Tag zu gewähren. »Bei Vivantes und Charité müssen gleich gute Bedingungen gelten. Sonst ist absehbar, dass Pflegekräfte zu dem Arbeitgeber wechseln, der die besseren Konditionen bietet«, erklärt die stellvertretende ver.di-Landesbezirksleiterin Susanne Feldkötter. »Der Senat ist gefragt, in den landeseigenen Klinikunternehmen ordnungspolitisch einzugreifen.« ver.di unterstütze das Bestreben der designierten Regierenden Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD), den Tarifkonflikt an den Berliner Krankenhäusern kurzfristig unter dem alten Senat zu lösen. »Dafür brauchen wir verbindliche Finanzierungszusagen des Landes und eine klare Ansage an das Klinikmanagement, nicht weiter auf Zeit zu spielen und die Verhandlungen sehr schnell zu einem für Beschäftigte und Patienten positiven Ergebnis zu bringen.«