AWO Tarifgemeinschaft Berlin

Stillstand - Kein neues AG-Angebot

AWO Tarifgemeinschaft Berlin

Stillstand - Kein neues AG-Angebot

3. Verhandlungsrunde - ver.di lehnt Spaltung der Belegschaft durch Tarifvertrag ab
AWO ver.di AWO


Um es kurz zu machen, die Arbeitgeberseite hat in der 3. Verhandlungsrunde am Montag, den 22.03.2021 kein neues Angebot vorgelegt.

Wie schon im den Tarifinfo Nr. 4 ausführlich dargelegt „bieten“ die Geschäftsführungen auch in dieser Verhandlungsrunde nur das Folgende an:

  • 2 Leermonate Jan./Feb. 2021,
  • Anpassung der allgemeinen Tabelle auf 95% der aktuellen TV-L Tabelle = bedeutet für die Mehrheit der Vollzeitbeschäftigten: deutlich unter 2 % Zuwachs bzw. 47,50 € / Monat mehr,
  • Einführung der Stufe 6 nun auch ab der Entgeltgruppe 9 bis 15; ab Nov. 2021 auf Basis 95% TV-L-Tabelle,
  • ausschließlich Überleitung der Kita- und Hortbeschäftigten in die neue S-Tabelle des TV-Länder ohne Überleitungs-gewinn,
  • Einführung einer Jobrad-Regelung unter Nutzung des Steuervorteils, allerdings ohne finanziellen Zuschuss des Arbeitgebers.

Die Verhandlungskommission sieht in dem Angebot einen massiven Spaltungsversuch der Geschäftsführungen. Denn, entsprechend des Arbeitgebervorschlags würden von der Einführung der neuen S-Tabelle zu-nächst nur neueingestellte Mitarbeiter*innen profitieren. Sie würden in die neue S-Ta-belle unter Anerkennung ihrer Berufsjahre einsteigen – während die festangestellten mit einem Vergleichsentgelt (ohne Berücksichtigung der früher im TV-L noch gezahlten Entgeltgruppenzulage) übergeleitet und somit deutlich schlechter gestellt würden. Was hier passieren soll, ist eine Aufspaltung in Neu- und Altbeschäftigte und somit eine deutliche Ungleichbehandlung. Langzeitbeschäftigte und ihre Arbeit werden in dieser Form nicht angemessen gewürdigt; im Gegenteil: Sie sollen durch das von der Arbeitgeberseite vorgeschlagene Überleitungsverfahren von der Tarifentwicklung abgehängt werden.

Die Geschäftsführungen waren außerdem nicht bereit, Beschäftigten anderer Bereiche des Sozial- und Erziehungsdienstes, z. B. So-zialarbeiter*/Sozialpädagog*innen, Sozial-betreuer*innen oder Nachtwachen, eine tarifliche Perspektive aufzuzeigen. Unser Vorschlag, die S-Tabelle für diese Berufsgruppen stufenweise bzw. zeitversetzt einzuführen, wurde rundheraus abgelehnt und deutlich formuliert, dass man wesentliche Verbesserungen für diese Berufsgruppen auch für die Folgejahre nicht garantieren will.

Wir halten das für eine Kapitulationserklärung gegenüber einem großen Teil der Beschäftigten in der AWO Berlin. Uns stellt dies vor die Frage, wie sich die Arbeitgeber*innen - ohne entsprechende Verhandlungsspielräume zu schaffen - überhaupt eine vernünftige Fortsetzung dieser Tarifverhandlungen vorstellen?! Wir fragen uns: Will die AWO Tarifgemeinschaft überhaupt einen Tarifabschluss?!

Wir halten fest: Im Rahmen der Berliner Sparpolitik der Nachwendezeit wurden die Sozialen Dienste in Berlin extrem abgewertet. Aus den daraus für die Branche erwachsenden Problemen, allen voran der Fachkräftemangel, wurde nichts gelernt. Die nächste Abwertung des Arbeitsfelds droht nun mit dem Argument der Corona-Einsparungen. Und die freien und freigemeinnützigen Träger Berlins scheinen dieser Entwicklung – wieder einmal – nichts entgegen zu setzen.

Wir wollen und dürfen uns das nicht gefallen lassen – weder auf der betrieblichen Ebene noch von der Politik... Corona hin oder her...

Im Januar hatten wir, die ver.di Tarifkommis-sion, entschieden, die Verhandlungen für knapp 8 Wochen auszusetzen... mit der Hoffnung, im März mehr sicht- und spürbaren Druck entfalten zu können. In der Zwi-schenzeit haben wir – trotz erschwerter Erreichbarkeit - eine Petition gestartet, an der sich in vier Wochen knapp 600 Menschen beteiligt haben. Diese Petition (Auswertung läuft) werden wir nach Ostern an die AWO Geschäftsführungen und die politisch Ver-antwortlichen übergeben.

Für den 16. März 2021 hatten wir zu einem sogenannten „Stay at home“-Streik mit 50 ausgewählten Teilnehmer*innen, unseren Streik-Delegierten, aufgerufen. Gemeinsam mit Streikenden des Humanistischen Verbandes und ver.di-Aktiven aus vielen sozialen Trägern in Berlin haben die AWO Kolleg*innen an einer Online-Kundgebung vor dem Roten Rathaus teilgenommen.

In der anschließenden Streikversammlung hat die Tarifkommission mit den Kolleg*innen das weitere Vorgehen besprochen. Es wurde sich dafür ausgesprochen, auf keinen Fall einen Tarifabschluss zu tätigen, der langfristig betrachtet mehr schadet als nutzt.

Die Tarifkommission hat auf dieser Basis und aufgrund des Verhandlungsverlaufs am 22.03.2021 nunmehr folgendes beschlossen:
Wir nehmen die Tarifverhandlungen erst wieder auf, wenn die Geschäftsführer*innen ein neues verhandlungsfähiges Angebot vorlegen bzw. die Corona-Lage es zulässt, wieder wirksame Arbeitskampfmaßnahmen durchzuführen.

Wir werden Euch über unsere weiteren Schritte und Aktivitäten auf dem Laufenden halten. Wer schnell informiert werden will, kann unserem Telegram-Chat beitreten.
kurzelinks.de/awotg oder t.me/joinchat/InXxGluwDYVp_BdL