AWO Tarifgemeinschaft Berlin

Seit acht Monaten keine Tarifeinigung in Sicht

AWO Tarifgemeinschaft Berlin

Seit acht Monaten keine Tarifeinigung in Sicht

AWO-Beschäftigte seit heute wieder im Streikmodus
AWO ver.di AWO-Beschäftigte seit heute wieder im Streikmodus


Im November 2020 starteten bei der AWO Berlin die Tarifverhandlungen. Die Arbeitgeberseite ist bisher nicht bereit, ein Angebot auf den Tisch zu legen, das eine spürbare Angleichung an den Tarifvertrag der Länder (TdL) ermöglicht. Im Frühjahr hatte ver.di die Beschäftigten bereits zum Warnstreik aufgerufen: Heute und morgen folgt nun der nächste Warnstreik.

Aufgrund der strengen Corona-Maßnahmen in der dritten Welle musste ver.di die Tarifbewegung mangels Druckmöglichkeiten aussetzen. Am 21. September werden die Tarifverhandlungen wieder aufgenommen.

Die Arbeitgeberseite lehnt jedoch weiterhin ab, ein verbessertes Angebot vorzulegen. Derzeit will die AWO nicht einmal mehr den Status Quo aufrecht erhalten. Vor dem Hintergrund der aktuellen Inflation schreckt sie selbst vor Lohnverlust zurück. Dem will die ver.di-Tarifkommission mit dem Streik ein klares Zeichen entgegenstellen.

Sie fordert im ersten Schritt eine Anhebung der Tabelle auf mindestens 98 % des TV-L in 2021 sowie die zügige Einführung der spezifischen Tabelle für den Sozial- und Erziehungsdienst. Damit wären für einzelne Beschäftigtengruppen Steigerungen von mehreren hundert Euro verbunden. Als Zwischenschritt erwartet ver.di, dass die AWO bisherige Entgeltgruppenzulagen und sonstige Zulagen, die sich unmittelbar aus der Entgeltordnung des Tarifvertrags der Länder ergeben, zeitnah umsetzt. Weitere Forderungen sind die Erhöhung des Nachtzuschlags auf 20 % sowie das Verbot sachgrundloser Befristungen.

„Die Kolleginnen und Kollegen in der AWO kämpfen schon seit mehreren Jahren um die Angleichung an die Arbeitsbedingungen im öffentlichen Dienst in Berlin. Ihre Arbeit ist Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge, auch wenn sie bei einem freien Träger erbracht wird. Eine dauerhafte finanzielle Benachteiligung ist daher weder zeitgemäß noch angemessen“, sagt Meike Jäger, die Verhandlungsführerin und ver.di-Landesbezirksfachbereichsleiterin Gesundheit und Soziales. „Wir erwarten, dass die AWO jetzt den nächsten Schritt macht, die Tabellen für den Sozial- und Erziehungsdienst für alle Berufsgruppen einführt und das Gehaltsniveau insgesamt weiter steigert.“

Während der letzten Monate in der Corona Pandemie erwarteten Senat und Arbeitgeber von den AWO-Beschäftigten, dass sie trotz dieser schwierigen Voraussetzungen das Kinderbetreuungsangebot oder die breite Palette an Beratungsleistungen aufrechterhalten. Die Kolleginnen und Kollegen arbeiteten unter teils schwierigen Bedingungen von zuhause aus. Sie stellten trotz persönlicher Ängste auch die Kinderbetreuung sicher. Der Senat hatte die entsprechende Anerkennung versprochen und zugesagt, die Finanzierung der Gehälter auf TV-L-Niveau bei freien und frei-gemeinnützigen Trägern in Berlin dauerhaft sicherzustellen.

„Das ist weiterhin eine Sollbruchstelle. Wir erwarten, dass der Senat jetzt, aber spätestens mit Beginn der neuen Legislaturperiode, strukturelle und finanzielle Rahmenbedingungen schafft, die sicherstellen, dass Träger wie die AWO Gehälter zahlen, die die Beschäftigten fair entlohnen“, so Meike Jäger weiter. „Ein erster schneller Schritt wäre, im neuen Haushalt einen zusätzlichen Sonderfonds für die Refinanzierung von Tarifverträgen bei sozialen Trägern einzurichten.“

Die etwa 2.000 Beschäftigten der AWO-Tarifgemeinschaft Berlin, zu der der Landesverband, die meisten Kreisverbände sowie AWO pro:mensch gehören, streiken nun zwei Tage für die Aufwertung ihrer Arbeit. Der Streik beginnt am heutigen Montag, 30. August, mit der Frühschicht oder dem individuellen Dienstbeginn, und endet mit Spätschicht und individuellem Dienstende am Dienstag.

Die Streikenden treffen sich heute ab 9:00 Uhr im Hofbräu-Wirtshaus in der Karl-Liebknecht-Straße. Ab 12:30 Uhr ist eine Demonstration zunächst zur Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie geplant, anschließend geht es mit Ankunft gegen 14:30 Uhr zur Senatsverwaltung für Finanzen. Die Abschlusskundgebung des Warnstreiks ist am Dienstagnachmittag gegen 14:30 Uhr vor dem CCG Event-Center am Franz-Mehring-Platz 1 in Friedrichshain.

Wir laden Sie sehr herzlich ein, mit den Beschäftigten und ver.di über ihre Situation zu sprechen. Gerne vermitteln wir Ihnen Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner.