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Outsourcing 2.0 an der Charité

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Outsourcing 2.0 an der Charité

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ver.di kritisiert Aufgabenverlagerung von Charité Facility Management  auf Drittanbieter

An der Charité werden die krankenhausbezogenen Dienstleistungen wie z. B. Reinigung, Logistik, Speiseversorgung durch die nicht tarifgebundene Tochter Charité Facility Management (CFM) erbracht. Die CFM gehört zu 51% der Charité. In den letzten zwei Monaten berichten die Beschäftigten in der Logistik der CFM zunehmend von Aufgabenverlagerung von der CFM an dritte private Dienstleister. Seit diesem Zeitraum wurden mehrere Touren des campusübergreifenden Transports von externen Dienstleistern erbracht, obwohl eigenes Personal dafür zur Verfügung steht. Ebenso wurden im Bereich der Botendienste externe Dienstleister eingesetzt, die zum Teil Aufgaben der Stammbeschäftigten übernommen und zum Teil diese lediglich begleitet haben, um deren Tätigkeiten kennen zu lernen.

Im Bereich der Botendienste sind die externen Firmen inzwischen nicht mehr aktiv. Beim campusübergreifenden Transport hält das Outsourcing an. Die externen Dienstleister tragen dabei häufig die Dienstkleidung der CFM und haben Ausweise der CFM. Sowohl für Beschäftigte der CFM als auch für die Charité-Beschäftigten ist damit nicht erkennbar, in welcher Firma die Beschäftigten angestellt sind, denen sie zum Teil wertvolle und sensible medizinische Präparate übergeben.

Der Betriebsrat wurde erst auf Nachfrage über diesen Schritt informiert. Welche zusätzlichen Kosten durch diese Maßnahme entstehen, ist bislang unklar. Der Betriebsrat hat in diesem Zusammenhang juristische Schritte eingeleitet, weil die betriebliche Mitbestimmung übergangen wurde.

„Für ver.di liegt die Vermutung nahe, dass die Maßnahmen in direktem Zusammenhang stehen mit den aktuellen Tarifverhandlungen zwischen ver.di und der CFM. In den Verhandlungen hatte die Geschäftsführung der CFM wiederholt damit gedroht, dass Dienstleistungen aus der CFM verlagert werden, wenn dort hohe Lohnabschlüsse durchgesetzt würden. Im Bereich Logistik sind viele KollegInnen bei ver.di organisiert.“ erklärt der ver.di Verhandlungsführer Kalle Kunkel.

„An dieser Stelle geht es auch um die Glaubwürdigkeit der Politik. Während im Wahlkampf viel von guter Arbeit und einem Ende des Outsourcings im öffentlichen Dienst die Rede ist, werden hier im Verantwortungsbereich des Landes Berlin Beschäftigte mit Outsourcing bedroht, weil sie sich für einen Lohn einsetzen, der sie nicht zum Aufstocken durch das Jobcenter zwingt.“ erklärt Kunkel abschließend.