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Warnstreik am 1. Dezember 2017 bei Pro Seniore in Cottbus

Bezirksfachbereich Cottbus

Warnstreik am 1. Dezember 2017 bei Pro Seniore in Cottbus

Pro Seniore: Residenz Cottbus gGmbH und Residenz Am Wasserturm gGmbH

 
Die Gewerkschaft ver.di hat die rund 100 Beschäftigten der beiden Cottbuser Pro-Seniore-Unternehmen Residenz Cottbus gGmbH und Residenz Am Wasserturm gGmbH für Freitag, den 1. Dezember 2017 von 11 Uhr bis 15 Uhr in den Warnstreik gerufen. Mit dem Warnstreik und mit einer Demonstration, die um 11:20 Uhr bei Pro Seniore (Fontaneplatz 1) beginnt, wollen die streikenden Beschäftigten Ihre Tarifforderung bekräftigen.

Zur Betreuung der pflegebedürftigen Bewohner hat die Gewerkschaft ver.di für die Zeit des Warnstreiks einen Notdienst zugesagt. In beiden Cottbuser Einrichtungen werden ca. 143 Menschen betreut und gepflegt, wobei rund 30 Bewohner tagsüber die Werkstatt für Behinderte Menschen besuchen.

Mit dem Warnstreik fordert die Gewerkschaft ver.di einen Tarifvertrag, wie er mit anderen Pflegeheimbetreibern und Wohlfahrtsverbänden, zum Beispiel mit dem ASB Ortsverband Lübbenau / Vetschau e.V. abgeschlossen wurde.

Die Gewerkschaft ver.di fordert unter anderem, dass die Berufserfahrung und die Betriebszugehörigkeit bei der Höhe der Entlohnung anerkannt und die Fachkräfte in der Betreuung von Menschen mit Behinderung das gleiche Entgelt wie die Fachkräfte in der Pflege erhalten müssen.

Derzeit erhält bei Pro Seniore eine Pflegefachkraft 12,02 EUR Stundenlohn.

Zum Vergleich: Beim ASB Ortsverband Lübbenau/Vetschau e.V. erhält nach dem ab 01.01.2018 gültigen Tarifvertrag eine Pflegefachkraft ohne Berufserfahrung 13,59 EUR Stundenlohn und nach 3jähriger Berufserfahrung 14,17 EUR Stundenlohn. Bei einer Arbeitszeit von 35 Stunden pro Woche entspricht dies einer monatlichen Differenz von 238,50 EUR bzw. nach 3jähriger Berufserfahrung in Höhe von 326,77 EUR. Bei den Betreuungsfachkräften fällt die Differenz noch höher aus, weil diese derzeit nur 11,32 EUR Stundenlohn erhalten.

Ein/e Pflegehelfer/in in der Pflege und in der Betreuung erhält bei Pro Seniore nur 9,69 EUR Stundenlohn.

Zum Vergleich: Beim ASB Ortsverband Lübbenau/Vetschau e.V. erhält nach dem ab 01.01.2018 gültigen Tarifvertrag eine Pflegehelferin ohne Berufserfahrung 10,50 EUR Stundenlohn und nach 3jähriger Berufserfahrung 11,59 EUR Stundenlohn. Bei einer Arbeitszeit von 35 Stunden pro Woche entspricht dies einer monatlichen Differenz von 123,89 EUR bzw. nach 3jähriger Berufserfahrung in Höhe von 289,76 EUR.

Die wirtschaftliche Lage der beiden gemeinnützigen Unternehmen ist sehr gut. Beide Unternehmen zusammen mit rund 100 Beschäftigten hatten im Jahr 2015 einen Jahresüberschuss von 557.294,00 EUR erwirtschaftet (Quelle: www.bundesanzeiger.de).

Für die Pflege und Betreuung der 143 Bewohner erhalten die beiden Unternehmen für jeden Bewohner monatlich Pflege- bzw. Heimentgelte, die die Pflegeversicherung, die Heimbewohner selbst sowie die Sozialhilfeträger aufbringen. „Bei einem Jahresüberschuss von 557.294,00 EUR im Jahr 2015 wird deutlich, dass den rund 100 Beschäftigten eine angemessene Bezahlung vorenthalten wird, für die die Bewohner und Sozialhilfeträger aber schon bezahlt haben“, so der ver.di-Verhandlungsführer Ralf Franke.

Seit dem Jahr 2008 werden jährlich Gewinne erwirtschaftet. Insgesamt wurden in den Jahren 2008 bis 2015 von beiden gemeinnützigen Unternehmen 2,35 Millionen EUR Gewinne erwirtschaftet (siehe Anlage).

Die Gewerkschaft ver.di hatte schon im Juni 2015 die beiden Cottbuser Pro-Seniore-Unternehmen zu Tarifverhandlungen aufgefordert. Nach einem ersten Warnstreik im April 2016 wurde ein Vorschalttarifvertrag abgeschlossen, der eine Entgelterhöhung von 3,5% bis 5% ab Januar 2016 vorsah. Gleichzeitig wurde vereinbart, die Tarifverhandlungen fortzusetzen. Ziel war, dass zum 1. Januar 2017 ein Tarifvertrag in Kraft tritt. Dieses Ziel wurde nicht erreicht.

Zur Durchsetzung der Tarifforderung wurde am 17. Februar 2017 erneut ein Warnstreik durchgeführt. Im Mai 2017 hatte sich die Gewerkschaft ver.di mit Pro Seniore auf einen 2. Vorschalttarifvertrag geeinigt, der rückwirkend zum 1. Januar 2017 eine Entgelterhöhung von 2,5% vorsah. Gleichzeitig wurde im Vorschalttarifvertrag festgeschrieben, dass die Tarifverhandlungen ab Juli 2017 monatlich fortgesetzt werden, damit zum 1. Dezember 2017 der neue Tarifvertrag in Kraft treten kann. Die Tarifverhandlungen wurden aber erst am 17. November 2017 ohne eine Einigung fortgesetzt. Ein Tarifangebot hat die Arbeitgeberseite bislang nicht vorgelegt.

Die Unternehmen Residenz Cottbus gGmbH (Fontaneplatz) und Residenz Am Wasserturm gGmbH (Lauchhammerstraße) sind Teil des Konzern Victor´s Bau + Wert AG und firmieren unter der Pro-Seniore-Gruppe. Der Konzern Victor´s Bau + Wert AG betreibt bundesweit 130 Pflegeeinrichtungen in unterschiedlichen Firmen.