Nachrichten

Urabstimmung bei der Charité endet mit eindeutigem Ergebnis

Krankenhäuser

Urabstimmung bei der Charité endet mit eindeutigem Ergebnis

Chartité

ver.di stimmt Tarifvertrag Gesundheitsschutz und Mindestbesetzung zu

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) hat am 25. und 26. April 2016 ihre Mitglieder in der Charité zum Tarifvertrag über Gesundheitsschutz und Mindestbesetzungsregelungen in der Pflege befragt. Eine überwältigende Mehrheit von 89,2 Prozent hat sich für den Abschluss des Tarifwerks ausgesprochen. Auch der ver.di-Vorstand hat dem Abschluss des Tarifvertrages zugestimmt. Damit kommt eine vier Jahre andauernde Tarifauseinandersetzung endlich zu ihrem Ende.

Meike Jäger, Verhandlungsführerin von ver.di dazu: „Wie immer stellt ein Tarifvertrag einen Kompromiss dar – nicht alle unserer Forderungen konnten wir durchsetzen. Dennoch sehen wir in dem Tarifvertrag einen Meilenstein für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen im Krankenhaus. Endlich ist es gelungen, dem Abbau von Stellen, insbesondere in der Pflege, Einhalt zu bieten, in dem Personalmindeststandards und verbindliche Orientierungswerte ein Abweichen nach unten begrenzen. Die Umsetzung des Tarifvertrages wird insbesondere von den Beschäftigten in diesen Arbeitsbereichen sehnsüchtig erwartet.“

Aus Sicht von ver.di werden mit dem Tarifvertrag neue Standards bezogen auf Gesundheitsschutz und Gesundheitsprävention aller im Krankenhaus Beschäftigten gesetzt. Neben den Besetzungsschlüsseln und Orientierungswerten im Pflege- und Funktionsdienst ist besonders der mit der Arbeitgeberseite paritätisch besetzte Gesundheitsausschuss zu erwähnen. Dieses vierköpfige Gremium wird sich u.a. mit Überwachung der laufenden Umsetzung des Tarifvertrages sowie als eine wesentliche Anlaufstelle für Beschäftigte und Führungskräfte fungieren. Der Tarifvertrag ist im Übrigen als ein sich selbst verbesserndes System angelegt. Eine vierteljährlich tagende Clearingstelle unter Vorsitz einer externen Ombudsperson wird auftretende Konfliktfälle bearbeiten und daraus neue Standards für die Umsetzung des Tarifvertrages entwickeln.

„Wir haben mit diesem Tarifvertrag Neuland betreten – dass auch die Arbeitgeberseite das so sieht, zeigt das lange Ringen um für beide Seiten tragfähige Kompromisse. Nun gilt es, dieses komplexe Tarifwerk mit Leben zu füllen – auch das wird noch eine Herausforderung werden. Dennoch sind wir überzeugt davon, dass der Tarifvertrag Vorbild-Charakter entfalten kann“, so Meike Jäger. ver.di fordert daneben auch weiterhin gesetzliche Regelungen für eine angemessene Personalausstattung im Krankenhaus sowie eine auskömmliche Refinanzierung.

Der Tarifvertrag gilt für alle der insgesamt ca. 14.000 Beschäftigen an der Charité.

Weitere Infos zum Tarifabschluss: www.mehr-krankenhauspersonal.de/1795

_______________________________
Pressemeldungen zum Abschluss:

www.rbb-online.de/wirtschaft/beitrag/...

www.tagesspiegel.de/berlin/...
_______________________________


Glückwünsche


"Was ihr an der Charité auf die Beine gestellt und erreicht habt, verdient großen Respekt! Über die Arbeitsbedingungen in den Uni-Kliniken in Berlin hinaus habt ihr wichtige tarifpolitische Signale gesetzt: für mehr und bessere Arbeit in den Krankenhäusern, im Gesundheitswesen und in anderen Branchen!"

Frank Bsirske, Bundesvorsitzender

____________________________________

"Glückwunsch an die Kolleginnen und Kollegen der Charité! Euer harter Kampf und langer Atem haben sich gelohnt. Eine Lehre aus unseren gemeinsamen Erfahrungen der letzten drei Jahre ist für mich aber auch: Wir können nicht alle Probleme über Tarifverträge lösen. Wir lassen Arbeitgeber und Politik nicht aus der Verantwortung. Die Voraussetzungen für eine gute und sichere Therapie, Pflege und Versorgung müssen sie schaffen. Wir kämpfen deshalb weiter für gesetzliche Personalmindeststandards. Die hohe Arbeitsbelastung in den Kliniken, die viele Beschäftigte selbst krank macht, packen wir bundesweit und bei allen Trägern mit dem Instrument an, das wir selbst gestalten können: Wir fordern einen Entlastungstarifvertrag für alle Beschäftigten. Die Erfahrungen der Charité helfen dabei."
Sylvia Bühler, Bundesfachbereichsleiterin

____________________________________

Liebe Kolleginnen,
liebe Kollegen,

große Botschaften und Eindrücke begleiten den Tarifabschluss „Gesundheitsschutz und Mindestbesetzung“ bei der Charié in Berlin.
„Tarifgeschichte geschrieben“, „historisch“, „wegweisend“ …

Ich sehe das auch so. Aus meiner Sicht war fast 40 Gewerkschaftsjahre lang für uns immer eines klar: Arbeitgeber verhandeln mit uns nicht über Personalmengen, Stellenbesetzungen, Stellenpläne. Das bricht ihre unternehmerische Freiheit oder die politische Freiheit und Alleinherrschaft eines Volkssouveräns (Stadtrat, Gemeinderat, Kreistag).

Jetzt ist es erstmalig gelungen, diese Verweigerung zu durchbrechen. Das ist in der Tat historisch und schreibt Tarifgeschichte.

Ich beglückwünsche unsere Kolleginnen und Kollegen bei der Charité zu diesem Erfolg!
Vielen Dank für euren Mut, eure Solidarität und euren beharrlichen Einsatz!
Vielen Dank auch für die vielen neuen Ideen für die gewerkschaftliche Betriebsarbeit. Sie reichen weit über das Tarifgeschehen hinaus und helfen uns bei der Stärkung unserer kollektiven Arbeit in den Betrieben.

Glückwunsch auch an Meike Jäger und Kalle Kunkel, die diesen Prozess mit Sachverstand, Augenmaß, viel Einsatz, persönlichem Engagement und großer Professionalität hauptamtlich begleitet haben.

Viele Dank für diesen wichtigen Leuchturm!

Herzliche Grüße
Wolfgang Cremer, Landesfachbereichsleiter 3 in NRW