Pflegekammer

Notwendigkeit nicht zu erkennen

Pflegekammer

Notwendigkeit nicht zu erkennen

Eine Pflegekammer für Brandenburg? ver.di Eine Pflegekammer für Brandenburg?

Erste Ergebnisse der Befragung in Brandenburg liegen vor
ver.di steht Pflegekammer weiterhin ablehnend gegenüber

Am heutigen Tag wurden in Potsdam die ersten Ergebnisse der Befragung zur Einführung einer Pflegekammer in Brandenburg präsentiert. Die noch nicht vollständig ausgewertete Befragung zeichnet ein differenziertes Bild hinsichtlich der Notwendigkeit, explizit Kammerstrukturen – die sonst üblicherweise für die „freien“ Berufe bestehen – einzuführen. Deutlich wird lediglich, dass es einen starken Wunsch nach einer stärkeren gemeinsamen Vertretung der Pflegebeschäftigten gegenüber Politik und Arbeitgebern gibt. Dass dies in Form einer von ihnen selbst zu finanzierenden Körperschaft des öffentlichen Rechts geschehen soll, lässt sich daraus nicht ableiten.

„Der Erlass von Berufs- und Weiterbildungsverordnungen sowie die angemessene Beteiligung der Berufsverbände und Gewerkschaften an der Entwicklung von hauptsächlich an der Qualität der Patientenversorgung ausgerichteten Strukturen obliegt dem Land Brandenburg. Wir sehen es weiterhin sehr kritisch, dass mit Einführung einer Pflegekammer abhängig Beschäftigte gezwungen werden sollen, die Sicherstellung einer qualitativen Patientenversorgung und die Kontrolle individueller Weiterbildungsverpflichtungen auch noch selbst zu bezahlen“, so Meike Jäger, zuständige Landesfachbereichsleiterin für Gesundheit und Soziales bei ver.di Berlin-Brandenburg.

Die Befragung gibt ver.di in diesem Punkt recht. 57 Prozent der befragten Pflegefachkräfte haben sich gegen die Einführung eines Pflichtbeitrages ausgesprochen und ein sehr großer Prozentsatz steht einer Pflichtmitgliedschaft kritisch gegenüber. Hervorzuheben ist, dass 74 Prozent der befragten Pflegefachkräfte bemerken, dass eine Pflegekammer keine Entscheidungsmöglichkeit bezogen auf die Themen hat, die die Pflegenden maßgeblich beschäftigten, nämlich Entlohnung und Personalmangel. Immerhin 64 Prozent befürchten, dass mit der Pflegekammer ein „organisatorischer Wasserkopf“ geschaffen wird, der die Situation in der Alten- und Krankenpflege nicht verbessern wird.

Die Gewerkschaft ver.di nimmt die Rückmeldungen der Befragten sehr ernst und sieht im Ergebnis der Befragung vor allem den Auftrag an die Politik, sich mit wirksamen institutionalisierten Alternativen zu einer Pflegekammer auseinanderzusetzen und dazu mit sämtlichen aktiven Akteuren – insbesondere den Berufsverbänden und der zuständigen Fachgewerkschaft - in den Dialog zu gehen.

„Wir haben großes Verständnis dafür, dass es den Wunsch bei den Beschäftigten gibt, mehr Einfluss auf die Belange ihrer Berufsgruppe zu nehmen und zu erreichen, dass nicht mehr andere, z. B. Ärzte, über die Weiterentwicklung ihres Berufsbildes bzw. -standes entscheiden. Die Notwendigkeit, dass dafür eine Berufskammer mit all den damit verbundenen Zwängen und Kontrollen eingerichtet werden muss, sehen wir jedoch weiterhin nicht. Das gibt auch das differenzierte Bild der Befragungsergebnisse nicht her. Für die Entwicklung von langfristig tragfähigen Alternativen stehen wir weiterhin zur Verfügung“, so Meike Jäger weiter.

Die Gewerkschaft ver.di, die mit Fachpersonal aktiv in der Pflegekammer-Begleitgruppe des MASGF mitarbeitet, wird nun zunächst die finalen Auswertungsergebnisse der Befragung, die im Laufe des Januars erwartet werden, abwarten und dann im vorgesehenen Anhörungsverfahren differenziert Stellung beziehen.