Tarifvertrag Entlastung

Nur die Spitze des Eisberges

Vivantes Service GmbH

Nur die Spitze des Eisberges

Offener Brief der ver.di Gesamtvertrauensleute Vivantes


Die ver.di-Vertrauensleute von Vivantes haben in Ihrer Sitzung am 20.02.2020 die durch die Medien aufgebrachte Personalsituation im AVK bewertet. Es ist uns klar, dass dieser geschlossene Weggang nur die Spitze eines Eisberges darstellt. Fast alle Kolleg*innen der Infektiologie im AVK haben ihre kollektive Kündigung öffentlich gemacht. Dass nahezu eine ganze Station kündigt, sich die Pflege und Ärzt*innen einig sind und sich in einem anderen Haus bessere Arbeitsbedingungen suchen, ist in der Tat bisher einmalig.


In der übrigen Vivantes Welt findet der Exodus individueller statt. Auf den letzten Betriebsversammlungen wurden die Arbeitsbedingungen vom Betriebsrat als sehr alarmierend dargestellt. Reaktionen von der Führungsebene blieben unsichtbar. Wertschätzung? Wird bei Vivantes vollmundig verkündet aber leider nicht gelebt.

Es gibt immer wieder schöne Worte und Hochglanzwerbekampagnen, was für ein toller Arbeitgeber Vivantes sei. Aber die Arbeitsbedingungen haben sich weiter verschlechtert. Für die Kolleg*innen, die den Laden am Laufen halten, wird nichts getan.

  • Wenn Gefährdungsanzeigen geschrieben werden, gibt es entweder gar keine Reaktion oder die Kolleg*innen werden in individuellen Gesprächen eingeschüchtert.
  • Brandbriefe landen in Schubladen und werden ignoriert. (z.B. vom Pflegeteam der Infektiologie im März 2019, vom Betriebsrat vom April 2019)
  • Wenn sich Kündigungen in einem Bereich häufen, wird nicht nach Ursachen gesucht.

Und es betrifft nicht nur die Pflege: Im ärztlichen Bereich werden Verträge nicht verlängert. Die Arbeitsbedingungen in vielen Töchtern sind unerträglich und hier wird auch noch zusätzlich am Gehalt gespart.

Durch die Fortsetzung und Verschärfung eines ESP – Ergebnis Sicherungs Programm – das ist „Schönsprech“ für Einsparprogramm – werden hier sogar noch weitere Stellen gestrichen. Die durch die Politik geforderte Tarifierung der bisher tariflosen Tochterunternehmen wird mit dem Versuch der Zersplitterung zusätzlich torpediert. Unser Verständnis für Einsparungen ist angesichts des Arbeitsalltags nicht vorhanden. Seit Jahren wird mit Zahlen argumentiert, wo es uns doch um die zuverlässige Versorgung von Patient*innen geht. Und es geht auch um unsere Gesundheit. Arbeitsbedingungen, die krank machen und der Frust, Patient*innen nicht adäquat versorgen zu können – das sind die Gründe, warum Kolleg*innen aus allen Unternehmensteilen Vivantes verlassen, bzw. sich um Stellen bewerben, wo sie sich bessere Bedingungen erhoffen. Der Gedanke, nur mit mehr Ausbildung wird alles besser, wird nicht funktionieren, solange die Azubis keine vernünftigen Arbeitsbedingungen und wertgeschätzte Kolleg*innen vorfinden!!
Anstatt angemessen auf die Situation zu reagieren, haben die Verantwortlichen den Weggang fast des gesamten Personals einer Abteilung billigend in Kauf genommen! Denn zuerst wurde der Brandbrief nicht ernst genommen und schließlich wurde die lange Zeit der Kündigungsfrist von bis zu 6 Monaten nicht für ein Umlenken genutzt.

Es muss endlich Schluss sein, mit dem Ignorieren von Hinweisen, wie katastrophal die Situation bei Vivantes ist:

Eine gute und menschliche Patient*innenversorgung sollte das Ziel von Vivantes sein. Dazu gehört eine gute Personalausstattung in allen Bereichen. Das reicht als Lockmittel für mehr Personal, dafür braucht es keine Prämien. Wir lassen uns nicht auseinanderdividieren. Für die gute Versorgung und Behandlung von Patient*innen braucht es alle Berufsgruppen mit fairer Bezahlung!! Wir stehen zusammen!!
Wir fordern von der Vivantes Geschäftsführung: die Basis des Krankenhausbetriebes – das Personal – sowohl im täglichen Umgang mit Wertschätzung zu behandeln als auch finanziell diese Wertschätzung für alle Berufsgruppen zu monetarisieren.

Unsere Forderungen an die Landespolitik sind: Statten Sie Vivantes 100%ig mit den notwendigen Investitionsmitteln aus! Setzen Sie den Gesetzentwurf vom „Volksentscheid für Gesunde Krankenhäuser“ sofort in den landeseigenen Krankenhäusern um. Nehmen Sie Einfluss auf die Bundespolitik, damit die Finanzierung von Krankenhäusern wieder bedarfsgerecht und kostendeckend erfolgt und Gewinne verboten werden.

TVöD für alle! Mehr Personal im Krankenhaus! Tochtergesellschaften rückführen!

Die ver.di Gesamtvertrauensleute in Vivantes