Tarifvertrag Entlastung

Zweiter Streiktag an der Berliner Charité

Krankenhäuser und Pflege

Zweiter Streiktag an der Berliner Charité

Der Streik der Pflegekräfte an der Charité geht weiter. Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) hat seit gestern die Beschäftigten an allen Standorten der Universitätsklinik zum Streik aufgerufen. Weiterhin versucht der Arbeitgeber, den Streik zu unterlaufen. Auch nach wiederholten Gesprächsangeboten durch ver.di lehnt die Klinikleitung den Abschluss einer üblichen Notdienstvereinbarung ab und zwingt dadurch Streikwillige, am Arbeitsplatz zu bleiben. Diese Situation wird von den örtlichen Streikleitungen als unerträglich empfunden, weil diese Haltung des Arbeitgebers zulasten der Beschäftigten und Patienten gehe und die Lage weiter eskaliere.

Die Charité ist offenbar sehr stark auf Leasingfirmen angewiesen, die u.a. Personal für Sitzwachen, Fachpersonal für Stationen und den OP-Bereich stellen. Diese Personalentsendung sei wegen des Streiks zum Großteil abgesagt worden, weswegen streikwilliges Charité-Personal für diese Dienste eingeteilt wurde.

Patienten müssen wegen des Streiks mit einer eingeschränkten Versorgung, so zum Beispiel der Verschiebung planbarer Operationen, an den drei Krankenhaus-Standorten der Charité rechnen. Die Versorgung und Gesundheit von Patienten sind durch den Streik nicht gefährdet.

Anlass für den Streik sind die festgefahrenen Verhandlungen über die Verbesserung und Weiterführung des Tarifvertrages für Gesundheitsschutz (TV- GS). ver.di hat den befristeten Tarifvertrag zum Ende Juni 2017 auslaufen lassen, weil die in 2015 durchgesetzten Regelungen zur Entlastung des Personals nur unzureichend umgesetzt wurden. Die Kritik, vor allem aus dem Kreis der Pflegenden, richtet sich gegen die unzureichende Personalausstattung auf den Stationen und vielen Funktions- und Arbeitsbereichen. Verärgerung besteht über den inkonsequenten Umgang des Führungspersonals mit den im Tarifvertrag festgelegten Richtlinien; Maßnahmen zur Vermeidung bzw. zum Ausgleich von Überlastung wurden nur unzureichend bzw. oft auch gar nicht eingeleitet. Daher sollen jetzt, neben eindeutigen Besetzungsvorgaben auch konkrete Sanktionsmöglichkeiten durchgesetzt werden.

Die an der Charité Streikenden werden sich am heutigen Dienstag, dem 19. September 2017 zusammen mit Beschäftigten der Berliner und Brandenburger Krankenhäuser an einer Demo für mehr Personal und Entlastung im Krankenhaus beteiligen. Um die Forderungen der im Krankenhaus Beschäftigten zu unterstützen und ein wichtiges Zeichen vor der Bundestagswahl zu setzen, wird es ab 17:00 Uhr eine Kundgebung vor dem Bundesgesundheitsministerium in Berlin geben (Friedrichstr. 108, 10117 Berlin, Anfahrt über S/U Friedrichstraße oder U Oranienburger Tor). Die Charité-Beschäftigten starten mit einem Demonstrationszug am Charité Campus Virchow schon um 15:00 Uhr (Treffpunkt: Charité Campus Virchow-Klinikum, Augustenburger Platz 1, 13353 Berlin, Glashalle).